06.06.2005
Activest: Druck auf EZB steigt
Köln, den 06.06.2005 (Investmentfonds.de) - Die Konjunkturaussichten in Euroland
zeigen weiter eindeutig nach unten, stellen die Analysten von Activest im aktuellen
Marktbericht fest. Obwohl Deutschland mit einem BIPWachstum im 1. Quartal von über
1% (im Quartalsvergleich) überraschen konnte, zeigt eine detailiertere Betrachtung
der einzelnen Komponenten jedoch, dass der Konsum schwach und der Export weiter
die große Wachstumsstütze bleibt. Neuere Daten zu den weiteren Aussichten geben
dabei auch keinen Anlass zur Hoffnung. So haben der ZEW-Index, der Ifo-Index und
der Gfk-Konsumklimaindex im Mai alle enttäuscht.
Vor dem Hintergrund dieser trüben Konjunkturaussichten und der fehlenden Gefahren
einer Inflationsbeschleunigung werden die Forderungen nach einer Zinssenkung durch
die EZB immer lauter. So rät nicht nur die OECD der EZB zu einer Zinssenkung,
sondern z.B. auch das ifo-Institut. Auch unter Bankvolkswirten ist das Lager der
Berfürworter größer geworden. Wir gehen nach wie vor von unveränderten Leitzinsen
in diesem Jahr aus, wobei auch unseres Erachtens der nächste Schritt der EZB eine
Zinssenkung und keine Zinserhöhung sein wird. Noch beteuern die Mitglieder der EZB
zwar, dass eine Zinssenkung angesichts des hohen Geldmengenwachstums nicht in
Frage kommt. Früher oder später werden sie sich aber der Realität, also der
schwachen Konjunktur beugen und einen solchen Schritt zumindest in Erwägung ziehen
müssen. Zwischenzeitlich werden die Märkte allerdings bereits beginnen diesen
einzupreisen, so die Einschätzung der Experten.
Die Stimmung an den europäischen Aktienmärkten war im Mai sehr positiv. Unterstützung
bekamen die Kurse dabei von einer freundlichen Wall Street und der Aussicht auf einen
baldigen Regierungswechsel in Deutschland. Die Marktteilnehmer hoffen, dass eine
konservative Regierung die notwendigen Reformen erfolgreicher bewältigt.
Allerdings wurden die neuen Post-Baisse-Hochs im 1. Quartal mit nachlassender Dynamik
erreicht, so dass Trendindikatoren diese nicht mehr bestätigen konnten. Es ist noch zu
früh, um eine langfristige Wende unterstellen zu können. Die nach wie vor ent-
täuschenden Konjunkturdaten in den USA sind aber weiter ein Belastungsfaktor, während
die Euro-Entwicklung eher positiv wirkt.
Die fundamentale Bewertung bleibt im aktuell immer noch recht niedrigen Zinsumfeld
weiter günstig, obwohl die Gewinnschätzungen sich zuletzt teilweise als etwas zu
ambitioniert erwiesen und Anpassungen nach oben nicht mehr stattgefunden haben.
Quelle: Investmentfonds.de