27.05.2005
BdB: Dt.Wirtschaft profitiert von guter Weltkonjunktur
Köln, den 27.05.2005 (Investmentfonds.de) - Das Statistische Bundesamt hat die
vor zwei Wochen veröffentlichten vorläufigen Daten für das Bruttoinlandsprodukt
im ersten Quartal 2005 bestätigt und nähere Details zur Entwicklung der gesamt-
wirtschaftlichen Leistung veröffentlicht.
Wie bereits vor zwei Wochen gemeldet lag das reale Bruttoinlandsprodukt in den
ersten drei Monaten dieses Jahres saison- und kalenderbereinigt 1,0 % über dem
Niveau des Vorquartals. Der kräftige Anstieg – immerhin das stärkste Quartals-
wachstum seit Anfang 2001 – ist allerdings zu einem großen Teil auf einen
statistischen „Nachholeffekt“ aus dem letzten Vierteljahr 2004 zurückzuführen.
Die Durchschnittsbetrachtung beider Quartale, die jeweils ein Wachstum von 0,45 %
ergibt, liefert somit einen etwas realistischeren Eindruck über die tatsächliche
Konjunkturdynamik im zurückliegenden Winterhalbjahr.
Das reale Wirtschaftswachstum in den ersten drei Monaten dieses Jahres wurde
ausschließlich von einer deutlichen Ausweitung des Außenbeitrags, also dem Saldo
von Exporten und Importen, getragen. Während die Exporte um 2,9 % stiegen, gingen
die Importe sogar um 1,4 % zurück (jeweils saisonbereinigt gegenüber dem Vorquar-
tal). Für sich alleine genommen hätte die Veränderung des Außenbeitrags das
Bruttoinlandsprodukt um 1,6 % erhöht.
Die inländische Nachfrage lieferte hingegen für das erste Quartal sehr ernüchternde
Zahlen. Insgesamt schrumpfte sie um 0,6 %. Der Rückgang war damit noch etwas stärker
als im vierten Quartal 2004 (- 0,5 %). Besonders enttäuschend fiel dabei die Ent-
wicklung des privaten Verbrauchs aus. Diese mit Abstand größte Komponente auf der
Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts sank um 0,2 %, nachdem sich in den beiden
Vorquartalen mit einem Plus von jeweils 0,3 % hier eine leichte Erholung angedeutet
hatte.
Eine starke Belastung für die inländische Nachfrage waren die Bauinvestitionen. Sie
nahmen um 3,9 % ab. Da dieses Minus teilweise durch die außerordentlich kalte
Witterung in den ersten drei Monaten verursacht wurde, könnte es bei den Bauinvesti-
tionen im zweiten Quartal jedoch zu einer leichten Gegenbewegung kommen. Ein Ende
der scharfen Anpassungskrise in der Bauwirtschaft ist allerdings immer noch nicht
abzusehen. Den einzigen Lichtblick auf der inländischen Verwendungsseite bieten
daher die Ausrüstungsinvestitionen. Sie konnten nach einem Rückgang um 0,6 % im
vierten Quartal 2004 zuletzt um 0,9 % steigen.
Nimmt man alles zusammen, dann zeigen die jüngsten Zahlen zum Wirtschaftswachstum
in Deutschland noch immer das alt bekannte Bild: Zum Wirtschaftswachstum trägt aus-
schließlich die Außenwirtschaft bei, während sich die Binnennachfrage weiterhin in
einer äußerst schwachen Verfassung befindet. Mit Blick auf die Ausrüstungsinvesti-
tionen besteht allerdings nach wie vor Hoffnung, dass es bei der inländischen Nach-
frage allmählich zu einer Bodenbildung kommt.
Wegen der erwähnten statistischen Überzeichnung des deutschen Wirtschaftswachstums
in den ersten drei Monaten dieses Jahres wird das Wirtschaftswachstum im zweiten
Quartal zwar wieder deutlich geringer ausfallen – aus heutiger Sicht ist mit einem
Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,1 bis 0,3 % (saisonbereinigt gegenüber dem
Vorquartal) zu rechnen. Grundsätzlich sollte sich die moderate Aufwärtsbewegung der
deutschen Wirtschaft aber fortsetzen, zumal bei den Ölpreisen sowie beim Euro-Kurs
in den letzten Wochen eine leichte Entspannung zu erkennen ist. Außerdem ist mit
den Daten für das erste Quartal die Wachstumsprognose für das gesamte Jahr 2005 von
rund 1 % nach unten gut abgesichert. Insofern besteht auch weiterhin die Chance,
dass sich die Lage am deutschen Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten nicht mehr
weiter zuspitzen wird.
Quelle: Investmentfonds.de