13.05.2005
Bankenverb.: Kräftigster Wachstumsschub seit 4 Jahren
Köln, den 13.05.2005 (Investmentfonds.de) - Nach einer ersten vorläufigen
Schätzung des Statistischen Bundesamtes ist das reale Bruttoinlandsprodukt in
Deutschland im ersten Quartal 2005 unerwartet deutlich gestiegen. Saison- und
kalenderbereinigt lag die gesamtwirtschaftliche Leistung 1,0 % über dem Niveau
des Vorquartals, heisst es in einer Meldung des Verbandes der deutschen Banken.
Dies ist das stärkste Plus bei den kalender- und saisonbereinigten Daten seit
den ersten drei Monaten 2001. Im vierten Quartal 2004 ist das reale Bruttoin-
landsprodukt saison- und kalenderbereinigt gegenüber der Vorperiode noch um
0,1 % geschrumpft.
Der nicht kalender- und saisonbereinigte Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum
(erste Quartal 2004) zeigt hingegen eine Stagnation des realen Bruttoinlands-
produkts. Dieses schwache Ergebnis – im vierten Quartal 2004 konnte die
deutsche Wirtschaft im Vorjahresvergleich noch um 1,3 % wachsen – ist vor
allem auf eine unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen in den beiden Betrachtungs-
perioden zurückzuführen. So standen von Januar bis März 2005 insgesamt zwei
Arbeitstage weniger zur Verfügung als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres.
Unter Ausschluss dieses Arbeitstageeffekts wäre die wirtschaftliche Leistung im
Vorjahresvergleich um etwa 1 % gestiegen.
Der kräftige Anstieg des saisonbereinigten Bruttoinlandsprodukts in den ersten
drei Monaten dieses Jahres war vor allem deswegen überraschend, weil sich andere
Konjunkturdaten in den letzten Monaten nur moderat entwickelt haben bzw. gesunken
sind. Diese Diskrepanz stützt die Vermutung, dass ein großer Teil des aktuellen
Wirtschaftswachstums auf einmalige „Nachholeffekte“ aus dem äußerst schwachen
vierten Quartal 2004 zurückzuführen ist. Wegen einer außergewöhnlichen
Arbeitstagekonstellation Ende letzten Jahres haben die saison- und kalenderbe-
reinigten Zahlen die tatsächliche Konjunkturentwicklung im Schlussquartal 2004
offensichtlich deutlich unter- und im ersten Vierteljahr 2005 merklich über-
zeichnet. Betrachtet man das gesamte Winterhalbjahr (vierte Quartal 2004 und
erste Quartal 2005), dann ergibt sich im Durchschnitt ein Quartalswachstum von
jeweils 0,4 bis 0,5 %, was ein realistischeres Bild der tatsächlichen Konjunk-
turdynamik zeichnet.
Zudem weist das Statistische Bundesamt darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum
in den ersten drei Monaten dieses Jahres ausschließlich auf steigende Exporte
und rückläufige Importe zurückzuführen ist. Der Außenbeitrag, also der Saldo
zwischen Exporten und Importen, hat sich somit merklich ausgeweitet. Die Binnen-
nachfrage blieb hingegen weiterhin schwach. Auch vor diesem Hintergrund muss die
beeindruckende Wachstumszahl für das erste Quartal 2005 relativiert werden.
Im zweiten Quartal dieses Jahres ist daher mit einem deutlich niedrigeren saison-
bereinigten Wirtschaftswachstum zu rechnen. Angesichts der etwas schwächeren kon-
junkturellen Frühindikatoren und eines wohl weniger stark steigenden Außenbeitrags
dürfte die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts mit 0,1 bis 0,3 % sogar unter der
durchschnittlichen Dynamik des Winterhalbjahres liegen.
Die eigentliche positive Nachricht des heutigen Tages ist allerdings, dass mit der
guten Vorgabe aus dem ersten Quartal selbst bei der prognostizierten Abschwächung
im zweiten Vierteljahr und einem nur moderaten Wirtschaftswachstum im weiteren
Jahresverlauf (vierteljährliche Wachstumsraten von jeweils ¼ %) im Jahresdurch-
schnitt 2005 ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von gut einem Prozent erreicht
wird. Insofern dürfte bei den aktuellen Wachstumsprognosen für das laufende Jahr
kaum noch ein nennenswertes Abwärtsrisiko bestehen.
Quelle: Investmentfonds.de