02.05.2005
Bank Hofmann: Marktkommentar Devisenmarkt
Köln, den 02.05.2005 (Investmentfonds.de) - Konjunktur und Zinsen stützen den
US-Dollar, doch tickt die "Zeitbombe" Leistungsbilanz weiter. Anlagen in britischer
Währung GBP bleiben für diversifizierte Portefeuilles eine interessante Alternative.
Der Yen erscheint phantasielos, während der Schweizer Franken zum Euro leicht nach
oben tendieren dürfte.
Am Devisenmarkt haben sich keine markanten neuen Trends durchgesetzt. Allerdings gab
es auch Entwicklungen, die Zweifel an den als vorherrschend angenommenen Tendenzen
wichtiger Währungspaare aufkommen ließen. Der US-Dollar konnte sich seit Anfang 2005
so gut behaupten, dass manche Auguren schon eine längerfristige Wende nach oben zu
wähnen begannen.
Klammheimlich etwas fester tendierte das Pfund Sterling gegenüber dem Euro, nachdem
noch zum Jahresbeginn das Gegenteil vermutet wurde. Umgekehrt bekundeten die traditio-
nellen Hartwährungen Yen und Schweizer Franken eher Mühe, sich die Gunst der interna-
tionalen Investorengemeinde zu erhalten. Sind das bloß vorübergehende Erscheinungen
oder ist eine Überprüfung der Portefeuille-Strukturen fällig?
Es ist nicht besonders schwierig, für die Erholung der amerikanischen Währung seit dem
letzten Jahreswechsel Argumente zu finden. Den Konjunkturdaten entsprechend hat die
US-Wirtschaft zum einen ihren Wachstumsvorsprung gegenüber dem Euroland erneut ver-
grössert, wodurch sich die Standortattraktivität für Investitionen erhöhte. Zum anderen
bieten die Leitzinserhöhungen der US-Fed Munition für "Dollar-Bullen". Nach wie vor
schwillt indessen der amerikanische Außenhandelsfehlbetrag munter an. Das Leistungs-
bilanzdefizit wurde in den letzten Jahren immer stärker durch asiatische Zentralbanken
finanziert, allen voran jene Chinas, die mit den Exportüberschüssen immer höhere Berge
von Devisenreserven aufbauen. Im weltpolitisch unsicheren Umfeld muss befürchtet
werden, dass irgendwann Anpassungsprozesse in Gang kommen, die Turbulenzen an den
Finanzmärkten und eine beschleunigten Dollarabwertung auslösen.
Nicht zu übersehen bei Geld- und Kapitalmarktanlagen sind die Möglichkeiten in Pfund
Sterling, sie bieten eine attraktive Verzinsung von 4 ½ - 5%. Dies auch ohne Konzessionen
an die Schuldnerbonität und in einer Währung, die zunehmend stabiler geworden ist. Eine
zu Anfang 2005 getätigte Anlage konnte beispielsweise neben dem Zinsvorteil inzwischen
einen Wechselkursgewinn von fast 4% verbuchen. Natürlich sind Rückschläge nicht
auszuschließen, doch erscheint das Pfund Sterling fundamental betrachtet in einem recht
günstigen Licht. Festverzinsliche GBP-Anlagen bleiben daher für international diversi-
fizierte Portefeuilles eine stets in Betracht zu ziehende Alternative.
Als Stärkefaktoren für die japanische Devise gelten seit jeher die sehr leistungsfähige
Exportwirtschaft und die negativen Teuerungsdifferenzen zu den anderen führenden
Industrieländern. Dennoch dürfte kaum ein substanzieller Spielraum für höhere Wechsel-
kurse bestehen, solange es der Wirtschaft Japans nicht gelingt, sich aus den "Fesseln
der Vergangenheit" zu befreien und endlich eine angemessene Wachstumsdynamik zu ent-
wickeln. Der Yen hat zum einen zu wenig Anziehungskraft für ausländische Anlagekapi-
talien und zum andern wird die Bank of Japan nennenswerten Aufwärtsbewegungen wohl im
Interesse der Exportwirtschaft entgegen treten.
Die Schweizer Währung hat in den letzten Monaten im Verhältnis zum Euro überraschend
schwach tendiert. Im April konnte indessen der Franken nun etwas Terrain gutmachen.
Das unerwartet trübe Bild der schweizerischen Konjunkturindikatoren ließ die zuvor
erwarteten Leitzinserhöhungen der Nationalbank in die Ferne rücken. Damit anerbot sich
der Franken risikofreudigen Investoren als Verschuldungsbasis für so genannte "carry
trades", bei welchen der aufgenommene Betrag in eine höher verzinsliche Devise angelegt
wird. Die Rahmenbedingungen für diese "carry trades" haben sich indessen verschlechtert.
Zum einen verspüren die Schweizer Exporteure wieder stärkeren Aufwind. Zinsanhebungen
der Schweizerischen Nationalbank könnten damit erneut ins Gespräch kommen.
Gewitterwolken am Börsenhorizont haben zum anderen bewirkt, dass die Marktteilnehmer
wieder risikoscheuer geworden sind. Dies erhöht allmählich die Geldströme in
traditionelle "safe haven" wie den Schweizer Franken. Bank Hofmann beurteilt diese
beiden Faktoren jedoch nicht als überaus gewichtig. Mit einem leicht nach oben ge-
richteten Trend des Frankens ist jedoch zu rechnen.
Quelle: Investmentfonds.de