28.04.2005
Wachstumsschub durch EU-Osterweiterung / Rödl & Partner-Studie zeigt Erfolgsbilanz deutscher Unternehmen in den EU-Beitrittsstaaten - Firmen planen weiteres Wachstum
Nürnberg (ots) - Die Erweiterung der Europäischen Union hat die
Wachstumschancen deutscher Unternehmen in den Beitrittsländern
deutlich erhöht. Dies zeigt die aktuelle Studie "Wachstumsmotor
Osterweiterung" von Rödl & Partner anlässlich des einjährigen
Jubiläums der EU-Osterweiterung. Für die Studie wurden 325 deutsche
Unternehmer detailliert zu ihren Erfahrungen mit der Erweiterung seit
dem 1. Mai 2004 befragt.
"Die Osterweiterung hat sich als Wachstumsmotor für die
international tätigen deutschen Unternehmen erwiesen" erklärt Monika
Kastl, Geschäftsführende Partnerin und Leiterin des Auslandsgeschäfts
von Rödl & Partner. "Zwei Drittel der Unternehmer sagen, die
Erweiterung habe dazu beigetragen, ihre Wachstumsperspektiven zu
verbessern. Die Osterweiterung ist aus Sicht der deutschen Wirtschaft
eine Erfolgsgeschichte," so Kastl.
Als wichtigster Grund für den Erfolg der Unternehmen hat sich die
Erschließung der Beitrittsstaaten als Absatzmärkte für deutsche
Produkte herausgestellt. "Die Abschaffung der Zoll- und
Handelsbeschränkungen hat die Märkte in Mittel- und Osteuropa
geöffnet. Davon profitieren insbesondere Unternehmen, die sich neue
Vertriebsmöglichkeiten in Osteuropa erschließen konnten", so Kastl.
Die bedeutendsten Märkte deutscher Investoren befinden sich in
Polen, Tschechien und Ungarn. Hier hat sich die Geschäftstätigkeit
der Unternehmen mit Abstand am positivsten entwickelt. Eine große
Mehrheit der Unternehmen plant folglich die Ausweitung ihres
Engagements. Allerdings stehen der hohen Investitionsbereitschaft
nach wie vor bürokratische Hemmnisse entgegen. Insbesondere die
Behörden der Beitrittsstaaten erhalten schlechte Noten.
Die Zukunftsprognosen der Unternehmer könnten nicht positiver
sein: Zwei Drittel sehen gute bis hervorragende Voraussetzungen
dafür, ihre Investitionen in den Beitrittsländern zu steigern.
Darüber hinaus rücken Russland und der Beitrittskandidat Rumänien als
Investitionsstandorte in den Mittelpunkt des Interesses. "Eine
Expansion nach Russland lohnt sich insbesondere wegen des großen
Absatzmarktes und der niedrigen Lohnkosten", erklärt Manfred
Janoschka, Partner und Leiter der Beratung Emerging Markets von Rödl
& Partner mit Sitz in Stuttgart.
Die Studie widerlegt deutlich die verbreitete Ansicht, deutsche
Unternehmen würden nur aus steuerlichen Gründen international
investieren. "Die Unternehmen gehen in andere Länder, um neue Märkte
zu erschließen und Lohnkostenvorteile zu nutzen", so Kastl. Es sei
aber falsch, die Expansion der deutschen Wirtschaft auf die
Produktionsverlagerung zu reduzieren. "Die Auslandsinvestitionen
sichern den Erfolg der Unternehmen und schaffen damit Arbeitsplätze
in Deutschland", betont Kastl.
Osteuropa ist Absatzmarkt Nummer Eins
Vor dem Hintergrund einer lahmenden Binnenkonjunktur in
Deutschland hat der Beitritt Wachstumsperspektiven im Ausland
geschaffen. Denn die Beitrittsländer werden im Schwerpunkt als
Absatzmarkt für deutsche Produkte genutzt. Erst im zweiten Schritt
werden die Beitrittsländer als Produktionsstandorte genutzt.
Hohe Erwartungen an die Erweiterung
Die Erwartungen an den Beitritt waren überwiegend hoch. Die
meisten Unternehmen versprachen sich von der Anpassung der
Beitrittsländer an die EU-Standards höhere Vertriebschancen und
Erleichterungen im Außenhandel. Für einige Unternehmen wurden die
hohen Erwartungen sogar übertroffen. Die Begründung: Über 90 Prozent
verzeichnen in Mittel- und Osteuropa deutliche Wachstumsraten.
Polen ist Spitzenreiter für deutsche Investoren
Am positivsten hat sich der Markt für deutsche Investoren in Polen
entwickelt. Neben dem Wegfall von Zöllen und anderen
Handelshemmnissen spielt dabei das Wirtschaftswachstum vor Ort die
entscheidende Rolle. Denn Polen ist der größte Absatzmarkt innerhalb
der Beitrittsländer. Und das starke Wirtschaftswachstum vor Ort hat
die Nachfrage nach westlichen Produkten in die Höhe getrieben.
Die Osterweiterung kennt Gewinner und Verlierer
In Polen und Ungarn verzeichnet ein Fünftel der Unternehmen eine
negative Entwicklung. Dies zeigt, dass es auch Verlierer der
Osterweiterung gibt. Der neu erwachsende Konkurrenzdruck und die
steigenden Löhne vor Ort wurden falsch eingeschätzt und haben den
Markteintritt zunehmend erschwert.
Goldene Wachstumsperspektiven in Osteuropa
Die Wachstumsperspektiven in den Beitrittsländern sehen deutsche
Unternehmer geradezu euphorisch. Über 80 Prozent rechnen mit einem
Wachstum ihrer Investitionstätigkeiten. Zwei Drittel sehen gute
Voraussetzungen für eine Verstärkung ihres Engagements.
Reformbedarf in der Verwaltung
In der Verwaltung der Beitrittsländer besteht nach wie vor
Reformbedarf. Trotz der generell positiven Einschätzung wünschen sich
deutsche Unternehmer eine flexiblere Bürokratie mit wirtschaftlichem
Sachverstand. Auch in der Rechtspraxis müssen in einigen Staaten noch
Reformen greifen, dies betrifft insbesondere die Auftragsvergabe.
Doch in allen wesentlichen Problemfeldern wurden nach dem 1. Mai 2004
Verbesserungen festgestellt.
Russland dominiert als Anziehungspunkt im Osten
Fast die Hälfte der Unternehmen plant Investitionen in den neuen
Nachbarstaaten in Osteuropa. Hier liegt Russland als attraktivster
Standort weit vor Rumänien und der Ukraine. Bulgarien kann dagegen
keinen 'Kandidaten-Bonus' für sich verbuchen. Der Grund für das hohe
Interesse an Russland liegt am attraktiven Absatzmarkt und den
geringen Lohnkosten.
Fazit: Die Osterweiterung ist ein Wachstumsmotor
Die Osterweiterung der Europäischen Union ist ein Wachstumsmotor
für deutsche Unternehmen. Durch die Öffnung konnten wichtige
Absatzmärkte erschlossen werden. Davon profitiert insbesondere auch
der Produktionsstandort Deutschland - denn vertrieben werden
überwiegend deutsche Produkte. Das Votum der befragten Unternehmen
ist eindeutig: Zwei Drittel geben an, dass die Erweiterung der EU
dazu beigetragen hat, ihre Wachstumsperspektiven zu verbessern. Die
deutschen Unternehmen haben die historische Chance wahrgenommen, die
die Osterweiterung ihnen geboten hat. Und sie planen bereits die
Ausweitung ihres Engagements innerhalb und jenseits der
Beitrittsstaaten. Damit legen sie die Grundlagen für eine langfristig
positive Entwicklung ihres internationalen Engagements.
Ausführliche Ergebnisse der Studie finden Sie unter www.roedl.de.
Originaltext: Rödl & Partner
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Quelle: news aktuell